Pneumokokken-Impfung ab 60: Was 2026 gilt
- Dr. Axel Ungerland

- 13. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Die Pneumokokken-Impfung ab 60 wird von der Ständigen Impfkommission, kurz STIKO, auch 2026 als einmalige Standardimpfung empfohlen. Dafür ist der 20-valente Pneumokokken-Konjugatimpfstoff PCV20 vorgesehen. Die Empfehlung für Erwachsene ab 60 Jahren ist nicht neu: Sie gilt bereits seit 2023. Im Jahr 2026 wurde vor allem die Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Risikofaktoren aktualisiert. Für Erwachsene bleibt entscheidend, wie alt sie sind, ob relevante Vorerkrankungen bestehen und welche Pneumokokken-Impfungen sie bereits erhalten haben.

Was sind Pneumokokken?
Pneumokokken sind Bakterien, die bei manchen Menschen den Nasen-Rachen-Raum besiedeln, ohne Beschwerden auszulösen. Sie können durch engen Kontakt und über Sekrete der Atemwege weitergegeben werden. Ob daraus eine Erkrankung entsteht, hängt unter anderem vom Alter, vom Immunsystem und von bestehenden Erkrankungen ab.
Pneumokokken können verschiedene Infektionen verursachen. Dazu gehören Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen, vor allem aber Lungenentzündungen. Gelangen die Bakterien in normalerweise keimfreie Bereiche des Körpers, können schwerwiegende Erkrankungen wie eine Blutstrominfektion oder Hirnhautentzündung entstehen. Solche Verläufe werden als invasive Pneumokokken-Erkrankungen bezeichnet.
Das Risiko für schwere Verläufe steigt insbesondere im höheren Alter. Auch Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder einer geschwächten Immunabwehr können stärker gefährdet sein. Die Impfempfehlung richtet sich deshalb nicht nur nach dem Alter.
Für wen wird die Pneumokokken-Impfung ab 60 empfohlen?
Die STIKO empfiehlt allen Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr eine einmalige Impfung mit PCV20. Der Impfstoff richtet sich gegen 20 verschiedene Pneumokokken-Serotypen, die für einen relevanten Anteil der Erkrankungen bei Erwachsenen verantwortlich sind.
„Einmalige Impfung“ bedeutet jedoch nicht, dass jede Person ab 60 unabhängig von früheren Impfungen sofort PCV20 erhalten sollte. Viele ältere Erwachsene wurden bereits mit einem anderen Pneumokokken-Impfstoff geimpft. In diesem Fall muss geprüft werden, welches Präparat verwendet wurde und wie lange die Impfung zurückliegt.
Der Impfpass ist dafür die wichtigste Grundlage. Fehlt er oder sind die Einträge unvollständig, sollte die weitere Vorgehensweise ärztlich geklärt werden. Eine zusätzliche Impfung sollte nicht allein aufgrund einer Erinnerung oder einer ungefähren Jahresangabe geplant werden.
Was ist 2026 tatsächlich neu?
Bei Erwachsenen hat sich die grundlegende Empfehlung im Jahr 2026 nicht wesentlich geändert. PCV20 wird bereits seit 2023 für alle Menschen ab 60 Jahren, für Erwachsene ab 18 Jahren mit bestimmten Risikofaktoren sowie für Personen mit einer beruflichen Indikation empfohlen.
Die STIKO-Aktualisierung von 2026 betrifft vor allem Kinder und Jugendliche im Alter von 2 bis einschließlich 17 Jahren, bei denen aufgrund bestimmter Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Pneumokokken-Erkrankungen besteht. Auch für diese Gruppe wurde PCV20 in die Indikationsimpfung aufgenommen.
Für einen Artikel über Erwachsene ist deshalb die Formulierung „Was 2026 gilt“ genauer als die Behauptung, es habe eine neue Impfempfehlung ab 60 gegeben. Die Standardimpfung bleibt bestehen, während die aktuellen Empfehlungen den Einsatz von PCV20 über verschiedene Alters- und Risikogruppen hinweg vereinheitlichen.
Wer kann schon vor dem 60. Geburtstag geimpft werden?
Auch Erwachsene ab 18 Jahren können eine Pneumokokken-Impfung mit PCV20 erhalten, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen unter anderem chronische Erkrankungen des Herzens oder der Atemwege, Diabetes mellitus, chronische Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Erkrankungen des Nervensystems.
Eine Empfehlung kann außerdem bei einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche bestehen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Erkrankungen des Immunsystems, eine Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten oder eine fehlende beziehungsweise nicht ausreichend funktionierende Milz.
Weitere mögliche Indikationen sind ein Cochlea-Implantat oder eine Liquorfistel, weil dadurch das Risiko für eine Pneumokokken-Hirnhautentzündung erhöht sein kann. Eine berufliche Empfehlung besteht für Erwachsene, die regelmäßig Metallrauch ausgesetzt sind, etwa beim Schweißen oder Trennen von Metallen.
Nicht jede chronische Erkrankung führt automatisch zu einer Impfempfehlung. Entscheidend sind die genaue Diagnose, ihre Ausprägung, mögliche Therapien und der bisherige Impfstatus.
Was gilt nach einer früheren Impfung mit PPSV23?
Viele Menschen ab 60 wurden in der Vergangenheit mit dem 23-valenten Polysaccharidimpfstoff PPSV23 geimpft. Die STIKO empfiehlt diesen Personen eine zusätzliche Impfung mit PCV20. Bei der Standardimpfung ab 60 soll zwischen PPSV23 und PCV20 in der Regel ein Mindestabstand von sechs Jahren liegen.
Bei einer ausgeprägten Immundefizienz kann PCV20 im Einzelfall bereits frühestens ein Jahr nach PPSV23 gegeben werden. Diese verkürzte Frist gilt nicht pauschal für alle Menschen mit einer chronischen Erkrankung, sondern erfordert eine individuelle ärztliche Entscheidung.
Für Erwachsene mit einer Risikofaktor-Indikation, die bisher nur PPSV23 erhalten haben, nennt die aktuelle RKI-Information ebenfalls einen möglichen Mindestabstand von einem Jahr. Da sich die Abstände je nach Alter, Impfgrund und Art der früheren Impfung unterscheiden können, sollte der Impfpass geprüft werden, bevor ein Termin festgelegt wird.
Was gilt nach PCV13, PCV15 oder einer früheren Impfserie?
Auch ältere Konjugatimpfstoffe wie PCV13 oder PCV15 wurden in der Vergangenheit verwendet. Wurde eine frühere Impfserie mit PCV13 begonnen, aber nicht durch PPSV23 ergänzt, empfiehlt die STIKO bei bestehender Indikation PCV20 frühestens nach einem Jahr.
Bei Personen ab 60 Jahren, die entgegen der damaligen STIKO-Empfehlung ausschließlich PCV13 erhalten haben, kann PCV20 nach mindestens einem Jahr gegeben werden. Ob die Krankenkasse die Kosten in dieser besonderen Konstellation übernimmt, sollte gegebenenfalls vorab geklärt werden.
Wurde bereits eine Kombination aus einem Konjugatimpfstoff und PPSV23 verabreicht, richtet sich der weitere Abstand in der Regel nach der letzten PPSV23-Impfung. Weil mehrere Impfschemata möglich sind, wäre eine pauschale Empfehlung an dieser Stelle irreführend. Der konkrete Verlauf sollte anhand der Impfpass-Einträge beurteilt werden.
Muss PCV20 später aufgefrischt werden?
Nach der aktuellen STIKO-Empfehlung wird PCV20 bei Erwachsenen einmalig verabreicht. Für regelmäßige Wiederholungsimpfungen nach PCV20 gibt es derzeit keine allgemeine Empfehlung. Das RKI weist darauf hin, dass noch nicht ausreichend Daten vorliegen, um zu beurteilen, ob und wann eine spätere Auffrischung notwendig sein könnte.
Die Pneumokokken-Impfung unterscheidet sich damit von der Grippeimpfung, die für bestimmte Personengruppen jährlich empfohlen wird. Eine PCV20-Impfung sollte nicht vorsorglich in frei gewählten Abständen wiederholt werden.
Kann die Impfung zusammen mit anderen Impfungen erfolgen?
Pneumokokken-, Grippe- und COVID-19-Impfungen können bei bestehender Indikation grundsätzlich an einem Termin verabreicht werden. Dabei werden die Impfstoffe an unterschiedlichen Körperstellen gegeben. Zusätzlich müssen die jeweiligen Fachinformationen beachtet werden.
Die Impfungen ersetzen sich nicht gegenseitig. Pneumokokken sind Bakterien, während Influenza, RSV und COVID-19 durch unterschiedliche Viren verursacht werden. Welche Impfungen im Einzelfall empfohlen sind, hängt vom Alter, von Vorerkrankungen, möglichen Risikofaktoren und den bereits erfolgten Impfungen ab.
Welche Impfreaktionen sind möglich?
Nach einer Pneumokokken-Impfung können vorübergehende Reaktionen auftreten. Häufig sind Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle. Auch Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen und leichtes Fieber sind möglich.
Solche Beschwerden treten meist kurz nach der Impfung auf und klingen in der Regel wieder ab. Wie bei jeder Impfung sind stärkere oder allergische Reaktionen grundsätzlich möglich. Die Impfung bietet keinen vollständigen Schutz vor jeder Pneumokokken-Erkrankung, da PCV20 nicht alle existierenden Serotypen abdeckt und die Immunantwort von Person zu Person unterschiedlich sein kann.
Bei einer akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankung kann es sinnvoll sein, die Impfung zu verschieben. Ein leichter Infekt ist dagegen nicht automatisch ein Hinderungsgrund. Die Entscheidung wird anhand des aktuellen Gesundheitszustands getroffen.
Fazit: Nicht nur das Alter entscheidet
Die Pneumokokken-Impfung ab 60 ist auch 2026 eine einmalige Standardimpfung mit PCV20. Eine neue Empfehlung für Erwachsene wurde 2026 nicht eingeführt; aktualisiert wurden vor allem die Vorgaben für Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Risiko. Für Erwachsene bleibt wichtig, ob bereits eine frühere Pneumokokken-Impfung erfolgt ist und welcher Impfstoff dabei verwendet wurde.
Menschen unter 60 können ebenfalls eine Impfempfehlung haben, wenn bestimmte Vorerkrankungen, eine Immunschwäche oder ein besonderes berufliches Risiko bestehen. Da die notwendigen Abstände von der jeweiligen Vorgeschichte abhängen, sollte die Entscheidung auf Grundlage des Impfpasses getroffen werden.
Für die Prüfung Ihres Impfstatus und eine persönliche Beratung zur Pneumokokken-Impfung ab 60 können Sie sich an Ihren Hausarzt Dr. Axel Ungerland in Langenfeld wenden.



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