Lungenkrebs-Früherkennung 2026: Wer die neue Untersuchung nutzen kann
- Dr. Axel Ungerland

- 13. Juli
- 5 Min. Lesezeit
Die Lungenkrebs-Früherkennung ist seit dem 1. April 2026 eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Angebot richtet sich gezielt an aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis einschließlich 75 Jahren. Die Untersuchung erfolgt einmal jährlich mit einer Niedrigdosis-Computertomografie, kurz Niedrigdosis-CT. Sie kann auffällige Veränderungen der Lunge sichtbar machen, bevor deutliche Beschwerden auftreten.
Da die beteiligten Arzt- und Radiologiepraxen bestimmte Qualifikationen und Genehmigungen benötigen, kann es gerade zu Beginn sein, dass das Angebot noch nicht in jeder Praxis verfügbar ist. Die Hausarztpraxis kann zunächst prüfen, ob die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind und wohin eine Überweisung möglich ist.

Warum wurde die Lungenkrebs-Früherkennung eingeführt?
Lungenkrebs verursacht im frühen Stadium häufig keine oder nur unspezifische Beschwerden. Kleine Tumoren werden deshalb oft zufällig entdeckt. Treten anhaltender Husten, Luftnot, Schmerzen im Brustkorb oder ein ungeklärter Gewichtsverlust auf, kann die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten sein. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die Überlebensaussichten deutlich vom Stadium bei der Diagnose abhängen.
Die Früherkennung soll Menschen erreichen, deren Erkrankungsrisiko durch langjähriges Zigarettenrauchen besonders erhöht ist. Eine Niedrigdosis-CT kann kleine Veränderungen erkennen, die auf einem gewöhnlichen Röntgenbild möglicherweise nicht sichtbar wären.
Die Untersuchung verhindert jedoch keinen Lungenkrebs. Es handelt sich um eine Früherkennung und nicht um eine Vorsorgemaßnahme im engeren Sinne. Ziel ist es, verdächtige Veränderungen möglichst früh zu entdecken und bei Bedarf gezielt weiter abzuklären.
Wer hat Anspruch auf das Lungenkrebs-Screening?
Das neue Angebot richtet sich nicht an alle Erwachsenen. Teilnehmen können gesetzlich Versicherte, die das 50. Lebensjahr vollendet, aber das 76. Lebensjahr noch nicht erreicht haben. Damit gilt das Screening für Menschen von 50 bis einschließlich 75 Jahren.
Zusätzlich müssen bestimmte Voraussetzungen zum bisherigen Zigarettenkonsum erfüllt sein:
Die betreffende Person muss insgesamt mindestens 25 Jahre lang geraucht haben. Innerhalb dieses Zeitraums dürfen längere Rauchpausen nicht mehr als zehn Jahre betragen. Außerdem müssen mindestens 15 sogenannte Packungsjahre zusammenkommen.
Ein Packungsjahr entspricht dem Konsum von 20 Zigaretten täglich über ein Jahr. Wer beispielsweise 30 Jahre lang durchschnittlich zehn Zigaretten pro Tag geraucht hat, kommt ebenfalls auf 15 Packungsjahre. Es zählen somit sowohl die tägliche Menge als auch die Dauer des Konsums.
Auch ehemalige Raucherinnen und Raucher können teilnehmen. Dafür darf der vollständige Rauchstopp grundsätzlich noch nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Die weiteren Voraussetzungen müssen ebenfalls erfüllt sein.
Früherkennung ist nicht dasselbe wie eine Untersuchung bei Beschwerden
Das Screening richtet sich grundsätzlich an Menschen ohne Beschwerden, bei denen aufgrund des früheren oder aktuellen Zigarettenkonsums ein erhöhtes Risiko besteht.
Wer bereits unter anhaltendem oder verändertem Husten, blutigem Auswurf, zunehmender Luftnot, ungeklärtem Gewichtsverlust oder anhaltenden Schmerzen im Brustkorb leidet, sollte nicht auf einen Termin zur Früherkennung warten. In diesem Fall geht es nicht mehr um ein Screening, sondern um eine gezielte diagnostische Abklärung der Beschwerden.
Auch ein unauffälliges Ergebnis bei der Früherkennung bedeutet nicht, dass später auftretende Beschwerden ignoriert werden können. Veränderungen können zwischen zwei Untersuchungsterminen entstehen oder auf der Aufnahme zunächst nicht eindeutig erkennbar sein.
Wie beginnt die Lungenkrebs-Früherkennung?
Der erste Schritt ist ein ärztliches Beratungsgespräch. Dieses kann in einer dafür qualifizierten allgemeinmedizinischen, internistischen oder arbeitsmedizinischen Praxis stattfinden. Dort werden das Alter, die Dauer des Rauchens und die durchschnittlich konsumierte Zigarettenmenge erfasst. Aus diesen Angaben lassen sich die Packungsjahre berechnen.
Im Gespräch werden außerdem der mögliche Nutzen, die Grenzen und die Risiken der Untersuchung erklärt. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich gegen das Screening entscheidet, muss dadurch keine Nachteile bei der weiteren medizinischen Versorgung befürchten.
Sind die Voraussetzungen erfüllt und entscheidet sich die Person für die Untersuchung, erfolgt eine Überweisung an eine entsprechend qualifizierte radiologische Praxis. Diese benötigt eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung, um die Untersuchung im Rahmen des Früherkennungsprogramms anbieten zu dürfen.
Wie läuft die Niedrigdosis-CT ab?
Bei der Untersuchung liegt die Patientin oder der Patient auf einer beweglichen Liege, die durch die ringförmige Öffnung des CT-Geräts gefahren wird. Für die Aufnahme muss meist für wenige Sekunden die Luft angehalten werden. Dadurch entstehen möglichst scharfe Bilder der Lunge.
Die Untersuchung selbst dauert normalerweise nur wenige Minuten. Ein Kontrastmittel ist für das reguläre Lungenkrebs-Screening nicht vorgesehen.
Eine Computertomografie arbeitet mit Röntgenstrahlen. Beim Screening wird jedoch eine niedrigere Dosis eingesetzt als bei vielen diagnostischen CT-Untersuchungen. Ganz ohne Strahlenbelastung kommt die Untersuchung trotzdem nicht aus. Da sie bei erfüllten Voraussetzungen jährlich wiederholt werden kann, gehört auch dieser Punkt zur ärztlichen Aufklärung.
Wurde innerhalb der vergangenen zwölf Monate bereits eine geeignete CT-Aufnahme der Lunge durchgeführt, kann geprüft werden, ob eine erneute Aufnahme vermieden werden kann.
Was passiert mit den Aufnahmen?
Die Bilder werden von speziell qualifizierten Radiologinnen oder Radiologen beurteilt. Bleibt der Befund unauffällig, kann nach zwölf Monaten erneut eine Früherkennungsuntersuchung erfolgen.
Wird eine Veränderung entdeckt, bedeutet das nicht automatisch, dass Lungenkrebs vorliegt. In vielen Fällen handelt es sich um gutartige Knoten, Narben oder andere Auffälligkeiten.
Verdächtige Befunde werden deshalb nach festen Vorgaben weiter beurteilt. Dazu kann auch eine zweite unabhängige radiologische Einschätzung gehören. Je nach Größe und Aussehen der Veränderung kann eine frühere Kontrollaufnahme ausreichen oder eine weiterführende Untersuchung notwendig sein.
Welche möglichen Nachteile hat die Früherkennung?
Eine Früherkennungsuntersuchung kann nicht immer eindeutig zwischen harmlosen und krankhaften Veränderungen unterscheiden. Dadurch sind falsch-positive Befunde möglich. Das bedeutet, dass eine Aufnahme zunächst verdächtig erscheint, obwohl später keine Krebserkrankung festgestellt wird.
Für Betroffene kann die Zeit bis zur endgültigen Klärung belastend sein. Je nach Befund können zusätzliche Bildaufnahmen oder weitere Untersuchungen notwendig werden.
Daneben besteht die Möglichkeit einer Überdiagnose. Dabei wird ein Tumor entdeckt, der möglicherweise so langsam gewachsen wäre, dass er im weiteren Leben keine Beschwerden verursacht hätte. Da sich das Verhalten eines Tumors nicht immer sicher vorhersagen lässt, kann trotzdem eine Behandlung folgen.
Auch falsch-negative Ergebnisse sind möglich. Ein Tumor kann übersehen werden, zu klein sein oder sich erst nach der Untersuchung entwickeln. Die Niedrigdosis-CT bietet deshalb keine vollständige Sicherheit und ist keine Garantie dafür, dass Lungenkrebs ausgeschlossen ist.
Warum der Rauchstopp weiterhin entscheidend bleibt
Das Screening kann mögliche Veränderungen früher sichtbar machen, senkt aber nicht das Risiko, dass Lungenkrebs überhaupt entsteht. Rauchen ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts und des Deutschen Krebsforschungszentrums der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Lungenkrebs.
Ein Rauchstopp kann das persönliche Risiko auch nach vielen Jahren des Rauchens noch verringern. Er schützt zudem nicht nur die Lunge, sondern kann sich auch positiv auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Atemwegserkrankungen auswirken.
Nicht jedem gelingt der Ausstieg ohne Unterstützung. Ärztliche Beratung, verhaltenstherapeutische Angebote und in bestimmten Fällen Medikamente können Bestandteil einer Tabakentwöhnung sein. Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von der persönlichen Situation ab.
Fazit: Voraussetzungen prüfen und bewusst entscheiden
Die Lungenkrebs-Früherkennung ist ein neues, gezieltes Angebot für Menschen mit langjährigem und starkem Zigarettenkonsum. Sie kann auffällige Veränderungen der Lunge früh sichtbar machen, verhindert die Erkrankung aber nicht und liefert keine absolute Sicherheit.
Ob eine Teilnahme infrage kommt, hängt vom Alter, der Dauer des Rauchens, den Packungsjahren und dem Zeitpunkt eines möglichen Rauchstopps ab. Wer bereits Beschwerden wie anhaltenden Husten, blutigen Auswurf oder zunehmende Luftnot bemerkt, sollte diese unabhängig vom Screening zeitnah untersuchen lassen.
Für die Prüfung der persönlichen Voraussetzungen, die Berechnung der Packungsjahre oder eine Beratung zur Lungenkrebs-Früherkennung können Sie sich an Ihren Hausarzt Dr. Axel Ungerland in Langenfeld wenden.



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