top of page

Grippaler Infekt oder echte Grippe?

  • Autorenbild: Dr. Axel Ungerland
    Dr. Axel Ungerland
  • 18. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

„Ich glaube, ich habe die Grippe.“


Diesen Satz hören Hausärzte besonders in den Herbst- und Wintermonaten häufig. Tatsächlich steckt hinter den Beschwerden jedoch oft keine echte Grippe, sondern ein grippaler Infekt – also eine gewöhnliche Erkältung. Für Betroffene fühlt sich beides zunächst ähnlich an: Die Nase läuft, der Hals kratzt und die Energie fehlt.

Trotzdem handelt es sich um unterschiedliche Erkrankungen. Während ein grippaler Infekt meist vergleichsweise mild verläuft, kann eine echte Grippe den gesamten Körper stark belasten und in manchen Fällen ernsthafte Folgen haben. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Unterschiede zu kennen.


Patient mit Erkältungs- oder Grippesymptomen sitzt mit Decke, Taschentüchern und warmem Getränk auf dem Sofa. Moderne Illustration zum Thema grippaler Infekt und Grippe.

Warum Erkältung und Grippe oft verwechselt werden


Im Alltag wird das Wort „Grippe“ häufig für nahezu jede stärkere Erkältung verwendet. Wer hustet, schnieft und sich schlapp fühlt, sagt schnell: „Ich habe die Grippe.“

Aus medizinischer Sicht ist das jedoch nicht korrekt. Die echte Grippe wird ausschließlich durch Influenzaviren verursacht. Ein grippaler Infekt kann dagegen durch viele verschiedene Viren ausgelöst werden, die die Atemwege befallen.

Da sich die Beschwerden teilweise ähneln, ist die Verwechslung verständlich. Dennoch unterscheiden sich Verlauf, Intensität und mögliche Risiken oft deutlich voneinander.


Der Beginn der Erkrankung liefert wichtige Hinweise


Wer herausfinden möchte, ob eher eine Erkältung oder eine Grippe vorliegt, sollte auf den Beginn der Beschwerden achten.

Eine Erkältung entwickelt sich meist schrittweise. Häufig beginnt sie mit einem leichten Kratzen im Hals. Danach folgen Schnupfen, eine verstopfte Nase oder Husten. Die Symptome nehmen über ein bis zwei Tage langsam zu.

Bei einer echten Grippe sieht das oft anders aus. Viele Betroffene berichten, dass sie sich morgens noch gesund gefühlt haben und wenige Stunden später plötzlich mit Fieber und starken Beschwerden im Bett lagen. Dieses abrupte Auftreten ist eines der typischsten Merkmale einer Influenza.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Nicht jede Grippe verläuft gleich und nicht jede Erkältung beginnt langsam. Dennoch liefert der Krankheitsbeginn oft einen ersten wichtigen Hinweis.


Welche Symptome sprechen eher für einen grippalen Infekt?


Ein grippaler Infekt betrifft vor allem die oberen Atemwege. Die Beschwerden sind unangenehm, verlaufen aber in den meisten Fällen unkompliziert.

Typisch sind Schnupfen, eine verstopfte Nase, Halsschmerzen, Husten und Heiserkeit. Viele Menschen fühlen sich müde oder abgeschlagen, können ihren Alltag aber häufig noch eingeschränkt bewältigen.

Fieber kann auftreten, bleibt jedoch oft niedrig oder fehlt ganz. Häufig stehen die Beschwerden im Nasen- und Halsbereich im Vordergrund.

Wer hauptsächlich unter Schnupfen leidet und sich insgesamt nur mäßig krank fühlt, hat daher eher einen grippalen Infekt als eine echte Grippe. Eine sichere Diagnose lässt sich allein anhand einzelner Symptome jedoch nicht stellen.


Welche Symptome sprechen eher für eine echte Grippe?


Die echte Grippe, medizinisch Influenza genannt, verläuft häufig deutlich intensiver als eine Erkältung.

Typisch sind plötzlich auftretendes hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost sowie eine ausgeprägte Erschöpfung. Viele Betroffene fühlen sich innerhalb weniger Stunden so krank, dass an Arbeit oder Alltag kaum noch zu denken ist.

Auch trockener Reizhusten gehört zu den häufigen Beschwerden. Manche Patienten beschreiben das Gefühl, als hätte sie die Krankheit regelrecht „umgehauen“.

Schnupfen oder Halsschmerzen können zwar ebenfalls auftreten, stehen jedoch meist nicht im Mittelpunkt. Stattdessen dominiert häufig das starke Krankheitsgefühl des gesamten Körpers.


Warum die Symptome allein nicht immer ausreichen


So typisch die Unterschiede auch erscheinen mögen – in der Praxis ist die Abgrenzung nicht immer eindeutig.

Manche Menschen entwickeln bei einer Influenza nur leichte Beschwerden. Umgekehrt kann auch eine stärkere Erkältung vorübergehend sehr belastend sein. Hinzu kommt, dass zahlreiche andere Atemwegsinfektionen ähnliche Symptome verursachen können.

Deshalb lässt sich allein anhand der Beschwerden nicht immer sicher sagen, welche Erkrankung vorliegt. Besonders bei Risikopatienten oder ungewöhnlich starken Symptomen kann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll sein.


Wie lange dauert die Erkrankung?


Ein grippaler Infekt bessert sich häufig innerhalb weniger Tage deutlich. Nach etwa einer Woche fühlen sich die meisten Betroffenen wieder weitgehend fit. Lediglich ein leichter Husten kann manchmal noch etwas länger bestehen bleiben.

Bei einer Grippe dauert die Erholung oft länger. Das Fieber klingt zwar meist nach einigen Tagen ab, die körperliche Schwäche und Erschöpfung können jedoch noch Wochen anhalten.

Viele Menschen unterschätzen diesen Aspekt und kehren zu früh in den Alltag oder zum Sport zurück. Gerade nach einer Influenza sollte dem Körper ausreichend Zeit zur Regeneration gegeben werden.


Wer sollte besonders vorsichtig sein?


Für gesunde Erwachsene verlaufen die meisten Erkältungen und viele Grippeerkrankungen ohne bleibende Folgen. Es gibt jedoch Personengruppen, bei denen das Risiko für Komplikationen erhöht ist.

Dazu zählen insbesondere ältere Menschen, Schwangere, Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder Diabetes sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Bei ihnen kann eine Influenza schwerer verlaufen und beispielsweise zu einer Lungenentzündung führen. Deshalb sollte bei stärkeren Beschwerden frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.


Wann sollte man einen Hausarzt aufsuchen?


Nicht jede Erkältung macht einen Arztbesuch erforderlich. Häufig helfen Ruhe, ausreichend Flüssigkeit und körperliche Schonung.

Ein Besuch beim Hausarzt ist jedoch ratsam, wenn hohes Fieber auftritt, Atemnot besteht oder sich die Beschwerden deutlich verschlimmern. Auch anhaltende Symptome über mehrere Wochen oder starke Schmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden.

Menschen mit Vorerkrankungen sollten bei Verdacht auf eine Grippe grundsätzlich eher frühzeitig Kontakt zu ihrem Hausarzt aufnehmen.

Wer unsicher ist, ob hinter den Beschwerden eine Erkältung, eine Grippe oder eine andere Erkrankung steckt, sollte sich ebenfalls ärztlich beraten lassen.


Kann man einer Grippe vorbeugen?


Ein vollständiger Schutz vor Atemwegsinfekten ist nicht möglich. Dennoch gibt es Maßnahmen, die das Risiko einer Ansteckung reduzieren können.

Regelmäßiges Händewaschen, ausreichend Abstand zu erkrankten Personen und eine gute Husten- und Niesetikette gehören zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen im Alltag.

Für bestimmte Risikogruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission außerdem die jährliche Grippeschutzimpfung. Sie kann das Risiko schwerer Krankheitsverläufe deutlich senken und trägt dazu bei, besonders gefährdete Menschen besser zu schützen.


Grippaler Infekt oder echte Grippe? Fazit


Nicht jede vermeintliche Grippe ist tatsächlich eine Grippe. Während sich ein grippaler Infekt meist langsam entwickelt und vor allem Nase, Hals und Bronchien betrifft, beginnt eine echte Influenza häufig plötzlich und geht oft mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie ausgeprägter Erschöpfung einher.

Eine sichere Unterscheidung ist jedoch nicht immer allein anhand der Symptome möglich. Wenn Beschwerden ungewöhnlich stark ausfallen, hohes Fieber auftritt oder Vorerkrankungen bestehen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Wenn Sie Fragen zu Erkältungen, Grippe, Impfungen oder anderen gesundheitlichen Beschwerden haben, finden Sie weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten auf der Website der Hausarztpraxis Dr. Axel Ungerland

Kommentare


bottom of page